Edward - Leiden einer Jugend
Der 16-jährige Edward hat homosexuelle Empfindungen
und weiß nicht recht, wie er damit umgehen kann. Er hat einen distanzierten
Vater, dessen Liebe er sucht und den er gleichzeitig verachtet. Der Artikel
beschreibt die Anfänge seiner Therapie, in dem exemplarisch auch die
Vater-Sohn-Problematik dargestellt wird.
Es ist gewöhnlich die Mutter, die das homosexuelle Problem des Sohnes erkennt, und viele Mütter wirken auf ihre Söhne ein, sich doch in eine Therapie zu begeben. Der Vater dagegen scheint das Problem oft gar nicht zu bemerken, und selbst wenn er es sieht, macht er sich selten für eine Therapie stark. Daß Edward so weiblich wirkte und er keine männlichen Freunde hatte, hatte seiner Mutter schon seit Jahren Sorgen gemacht. Schon mehr als einmal hatte sie gedacht, daß dies zur Homosexualität führen könnte. Edwards Vater war völlig überrascht, als er von den pornographischen Heften in Edwards Zimmer hörte.
Er tat mir leid, dieser Teenager, der mir da halb verängstigt, halb trotzig gegenübersaß. War er ein Junge oder ein Mann? Ed war eindeutig etwas von beidem. Sein dunkles Haar fiel in ein blasses, sensibles Gesicht. Er war schlank und etwas schmächtig, aber unter seinem weiten Sweatshirt machten sich eine beginnende männliche Brust und Armmuskeln bemerkbar. Er hatte Angst, so ganz allein mir gegenüberzusitzen. Nach ein paar Höflichkeiten kam ich zur Sache: „Also, Ihre Mutter hat Sie ja hierher gebracht, weil sie unglücklich über Ihre Homosexualität ist.“
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